Solingen - Integrationskonzept im partizipativen Prozess

In Solingen haben viele Menschen einen Migrationshintergrund. Zahlreiche Maßnahmen sollen das Zusammenleben aller Solinger durch eine stärkere Partizipation und Einbindung der ausländischen Bevölkerung verbessern.

Ausgangslage

  • Solingens Bevölkerung ist im letzten Jahrzehnt kontinuierlich gesunken, langfristig wird von 2009 bis 2030 ein Rückgang um 6,7 Prozent erwartet.
  • Der Anteil der ausländischen Einwohner an der Solinger Bevölkerung betrug 2012 13,2 Prozent.
  • Der Großteil der Migranten ist gut integriert, allerdings ist diese Bevölkerungsgruppe stärker von Benachteiligungen betroffen, die sich auf Gesundheit, Lebensqualität und Zukunftschancen auswirken.
  • Der Brandanschlag 1993 auf eine türkische Familie beeinflusste das Stadtklima nachhaltig. In der Folge kam es zu verstärkten Bemühungen um ein friedliches Zusammenleben von Deutschen und Ausländern.
  • In Solingen besteht ein dichtes Netzwerk von Menschen, die miteinander Dialog führen. Dazu gehören jährliche Integrationskonferenzen, regelmäßige Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern der Migrantenorganisationen, Tage der offenen Tür bei den Moscheevereinen oder gemeinsames Fastenbrechen im Ramadan, Elternbildungsseminare und Sprachkurse. Es gibt das zentrale jährliche Fest „Leben braucht Vielfalt", bei dem Solingen seine interkulturelle, soziale und ökologische Vielfalt präsentiert.

Ziele

  • Ziel ist es, durch stärkere Partizipation und Einbindung der ausländischen Bevölkerung das friedliche Zusammenleben aller Solinger zu garantieren.
  • Schaffung eines Netzwerks aller beteiligten Kräfte und Institutionen, um eine gute Nutzung der vorhandenen Ressourcen von Kommune, Verbänden und Vereinen sowie anderen Akteuren zu erreichen.
  • Verbesserung der politischen Teilhabemöglichkeiten von Zugewanderten durch Modellprojekte zur politischen Partizipation nach der Experimentierklausel der Gemeindeordnung NRW.
  • Das Integrationskonzept lebt von der aktiven Beteiligung. Dadurch, das engagierte Menschen in der Politik, bei Verbänden und Vereinen und in den verschiedenen Abteilungen der Stadtverwaltung konstruktive Überlegungen anstellen,
    • wie die Integration von Zugewanderten verbessert werden kann,
    • wie die Partizipation und Teilhabe gelingen kann und
    • wie bereichernd die Internationalität für eine Stadt wie Solingen sein kann,

erfolgt eine nachhaltige Weiterentwicklung der Stadtgesellschaft. 

Umsetzung

  • 2001: Verabschiedung des interkulturellen Gesamtkonzepts „Vision Zusammenleben 2010"
  • 2004: Einrichtung des „Zuwanderer- und Integrationsrates" bestehend aus 10 direkt gewählten Vertretern der Ausländer und Ausländerinnen sowie 9 Mitgliedern des Rates.
  • 2011: Das interkulturelle Gesamtkonzept „Vision 2020" wurde vom Rat einstimmig verabschiedet.
  • 2012: Einrichtung des Kommunalen Integrationszentrums. Hier laufen die Fäden für die weitere Umsetzung des interkulturellen Gesamtkonzeptes zusammen.
  • Studentinnen und Studenten der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung führten im Mai/Juni 2013 eine Befragung zur interkulturellen Öffnung bei der Stadtverwaltung Solingen durch.
  • Zur weiteren Verbesserung der Steuerung wird derzeit an einem gesamtstädtischen Indikatorensystem gearbeitet.
  • Die Schwerpunkte der derzeitigen Arbeit liegen in den Bereichen Sprache und Sprachförderung, Arbeit und Beschäftigung, Gesundheit, Wohnen sowie Schule und Jugendhilfe.

Erfolge

  • Kommunalpolitik und Stadtverwaltung stehen dazu, dass gelingende Integration eine zentrale Herausforderung für eine Stadt ist, in der jeder dritte Einwohner eine Einwanderungsgeschichte hat. Die Ausländerbehörde hat sich zum Ausländer- und Integrationsbüro weiterentwickelt.
  • Die Vielfalt der Kulturen ist eine Chance für Solingen: 2005 hat die Stadt für ihr Integrationskonzept den bundesweit beachteten Preis des Bundesinnenministeriums und der Bertelsmann Stiftung bekommen. Seither nennt sie sich stolz "Integrationsstadt", ein Begriff, der neben die traditionelle Bezeichnung als "Klingenstadt" getreten ist.
  • Integration ist und bleibt Querschnittsaufgabe, die alle Lebensbereiche berührt: Von der vorschulischen Erziehung über die schulische und berufliche Bildung bis zur Lebens- und Versorgungssituation im Alter. Diese Aufgabe wird koordinierend vom Stadtdienst Integration wahrgenommen und mit Unterstützung durch vielfältiges bürgerschaftliches ehrenamtliches Engagement angegangen.
  • Es gibt allein rund 40 Vereine, in denen sich Zuwanderinnen und Zuwanderer ehrenamtlich engagieren.
  • Integration wird in Solingen als Querschnittsaufgabe ernst genommen und in einem vielfältigen Netzwerk mit Vereinen, Verbänden, Initiativen und kommunalen Beschäftigten umgesetzt.
  • Das interkulturelle Handlungskonzept schafft die Grundlage für strukturiertes Handeln. Derzeit wird gemeinsam ein Kennzahlensystem erarbeitet, um die Erfolge der Maßnahmen besser messbar zu machen.

Weitere Informationen

  • Zuwanderung in Solingen
  • Bertelsmann Stiftung, Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Erfolgreiche Integration ist kein Zufall. Strategien kommunaler Integrationspolitik. Gütersloh 2005. S. 18

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Solingen Nordrhein-Westfalen

Demographietyp

Wirtschaftszentren mit geringerer Wachstumsdynamik

Bevölkerung 2014

156.771

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-4,4

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