Staßfurt - Aufheben der Mitte

Salzabbau im 19. Jahrhundert führte in Staßfurt zur Absenkung des historischen Zentrums. Hinzu kamen wirtschaftliche und demographische Veränderungen. Staßfurt musste sich schon früh mit Leerstand und Phänomenen der Schrumpfung auseinandersetzen. Heute befindet sich ein See in der Mitte der Stadt.

Ausgangslage

  • Die Geschichte der Stadt Staßfurt ist eng mit der Salzgewinnung verbunden. Der seit dem 12. Jahrhundert urkundliche verbürgte Salinenbetrieb ist 1852 durch den Salzbergbau abgelöst worden.
  • Der Salzabbau erfolgte unterhalb des Stadtgebietes. Noch während der Kaliförderung kam es ab dem Ende des 19. Jahrhunderts zu einem wilden Ersaufen von Grubenbauen sowie zu Senkungen und Einbrüchen der Erdoberfläche. Das so entstandene Bergschadensgebiet hat eine Ausdehnung von ca. 200 ha und durchzieht die Innenstadt diagonal. Ein Zentrum der Senkungen, die inzwischen über 7 m betragen, liegt im Kernbereich der historischen Altstadt.
  • In Folge der Senkungen sind umfangreiche Schäden an der Bausubstanz aufgetreten. Daher mussten in den vergangenen Jahrzehnten mehrere hundert Gebäude abgebrochen werden, darunter die Stadtkirche und das Rathaus. Im Ergebnis dieser Entwicklung ist die Altstadt lange Zeit durch eine leere, geräumte Schneise gekennzeichnet gewesen. Die städtebauliche Entwicklung der Stadtmitte war für viele Jahre praktisch zum Erliegen gekommen. Ab 1990 wurden enorme Anstrengungen zur Revitalisierung des Stadtkerns unternommen.
  • Diese komplizierten Entwicklungsmaßnahmen waren Anlass für die Bewerbung der Stadt Staßfurt zur Teilnahme an der Internationalen Bauausstellung 2010 (IBA 2010). Im Rahmen des Staßfurter IBA-Themas „Aufheben der Mitte" hat der Entwicklungsprozess ein hohes Maß an Intensivierung und Qualifizierung erfahren.

Ziele

  • Das Staßfurter IBA-Thema „Aufheben der Mitte" ist insbesondere auf die Entwicklung der Innenstadt unter den spezifischen Bedingungen des Bergschadensgebietes und der stadtstrukturellen Barrieren ausgerichtet.
  • Zwei der drei ehem. Siedlungen sind in den letzten Jahren durch die IBA und Maßnahmen der Stadtsanierung, des Stadtumbaus und EU-Förderung erfolgreich umgestaltet worden. Zukünftig soll weiterhin daran gearbeitet werden, die drei ehemaligen Siedlungskerne als eine Innenstadt zu vereinen.

Umsetzung

  • Nach der Aufnahme der Stadt Staßfurt in die Internationale Bauausstellung wurden in einem interdisziplinären Planungsverfahren die Schwerpunkte für die Gestaltung/Umgestaltung der Stadtmitte festgelegt.
  • Im Ergebnis eines interdisziplinären Planungsverfahrens an dem die Bevölkerung, Architekten sowie Stadt- und Landschaftsplaner beteiligt waren, hat die Jury den Beitrag des Büros Häfner & Jimenez aus Berlin als Grundlage für die weitere Entwicklung des Kernbereichs der Altstadt empfohlen. Darauf aufbauend ist ein Gesamtkonzept für die Gestaltung und Nutzung des Bergschadensbereichs entwickelt worden, das Anfang 2005 durch den Stadtrat als Arbeitsgrundlage für die schrittweise Umsetzung beschlossen wurde.
  • Der im Jahr 2005 fertig gestellte Stadtsee dokumentiert den natürlichen Grundwasserstand und bildet das Zentrum für die umgebenden Freiräume. Die Umgestaltung der Uferbereiche konnte 2006 abgeschlossen werden. Im Zeitraum 2007 bis Mai 2008 konnten weitere Bauabschnitte wie die „Kirschbaumwiese" und der Standort der ehemaligen Stadtkirche, der „Heilige Rasen" südlich des Sees einschließlich angrenzender Straßen- und Platzflächen, fertiggestellt werden.
  • Seit dem Sommer 2008 konzentrierten sich die Arbeiten im Süden und Südwesten des Stadtsees. Die Straßenzüge Rathausstraße und Brandhof sowie der Große Markt und der Holzmarkt sind in der Zeit umgestaltet worden. Im 2. Halbjahr 2009 verlagerten sich die Aktivitäten in den nördlichen Teil der Altstadt. Dort soll die Gestaltung des „Kaligartens", in dem sich die ersten beiden Kalischächte der Welt befinden, ergänzt und abgerundet werden. Das unmittelbare Umfeld der Kalischächte ist 2006 aufgewertet worden.
  • Ferner ist eine Fußgängerbrücke über den Stadtsee entstanden. Die Brücke soll den ehemaligen Verlauf der Kottenstraße darstellen, die praktisch im See versunken ist.
  • Die Staßfurter Bevölkerung konnte ihre Ideen für die Gestaltung der Stadtmitte in weiteren durchführten Architektursalons einbringen.

Erfolge

  • Die durch die Bergbaufolgen stark beeinträchtigte Stadtmitte ist durch die Internationale Bauausstellung städtebaulich aufgehoben worden. Mitten in der Stadt befindet sich eine grüne Oase, die zum Verweilen und Erholen einlädt. Hier finden nun verschiedene Veranstaltungen wie z. B. „Staßfurt in Flammen", „Rock am See" und das „Salzlandfest" statt.

Kontakt

Michaela Dorow

Stadt Staßfurt
Hohenerxlebener Str. 12
39418 Staßfurt
Telefon: 03925 - 98 13 45

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Sachsen-Anhalt

Bevölkerung 2014

2.235.548

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-13,6

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