Hoyerswerda - Stadtumbau von außen nach innen

Wie demographische und wirtschaftliche Einschnitte städtebaulich und infrastrukturell positiv gewendet werden können, zeigt die Stadt Hoyerswerda. Die Schließung eines Industriestandorts und Abwanderung ließen die Einwohnerzahl seit 1996 um 22 Prozent schrumpfen. Durch Abriss von Plattenbauten einerseits und Wiederherstellung älterer Stadtteile ist die Stadt zu neuer Identität gelangt.

Ausgangslage

  • Hoyerswerda war zu DDR-Zeiten Wohnstadt für den benachbarten Industriestandort Schwarze Pumpe und zählte zur Hochzeit fast 71.000 Einwohner.
  • Seit der Wende hat die Stadt aufgrund einer verstärkten Abwanderung 53 Prozent seiner Bevölkerung verloren. Bis 2030 rechnet man mit einem Rückgang bis auf 23.410 Einwohner.
  • Der aktuelle Leerstand und die Bevölkerungsprognosen erforderten und erfordern einen alle Strukturen umfassenden Stadtumbau, der auch den Rückbau von Wohneinheiten beinhaltet.

Ziele

  • Hoyerswerda wird zu einer attraktiven Stadt umgebaut.
  • Mit dem aktuellen Leitbild 2025 werden sieben Merkmale der Stadtentwicklung beschrieben. Sie bilden die Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Tradition und Moderne und sind unverzichtbar für die Identität und das Selbstbewusstsein der Stadt: 
    • kreative und tolerante Stadt im Osten Sachsens;
    • Laboratorium für Städte im Wandel;
    • Wirtschaftsstandort mit Zukunft;
    • aktiver Motor des Oberzentralen Städteverbundes;
    • Standort für Bildung, Kultur und Sport;
    • Zentrum des Lausitzer Seenlandes;
    • Stadt mit Bürgersinn für alle Generationen

Umsetzung

  • Die bisherige Entwicklung und die Einwohnerprognosen ergeben einen Rückbauumfang von 10.000 Wohnungen (= 35,2 Prozent des 1999 am Wohnungsmarkt Hoyerswerda vorhandenen Angebotes).
  • In einer ganzheitlichen Strategie werden die Maßnahmen des klassischen Stadtumbaus (Rückbau, Aufwertung) in Zusammenhang mit den wirtschaftlichen und infrastrukturellen Entwicklungskonzepten gestellt.

Grob lassen sich drei Gebiete im Stadtumbauprozess bilden:

  • Die hauptsächlich von Plattenbauten geprägte Neustadt: Die am Stadtrand liegenden Wohnkomplexe werden großflächig rückgebaut, die Wohnkomplexe im inneren Kern der Neustadt werden modernisiert bzw. punktuell abgebaut. Für den Rückbau von Wohnungen haben sich die Akteure auf folgende Kriterien geeinigt:
    • Rückbau von außen nach innen
    • Rückbau von unbeliebten Wohnungstypen
    • Rückbau von 5- bis 11-geschossigen Gebäuden
    • Rückbau von Gebäuden ohne Komplexmodernisierung
    • Entdichtung in den Wohngebieten durch punktuellen Rückbau
  • Ziel ist es, die Neustadt als eine intensiv durchgrünte, moderne Stadtform im inneren Kern zu erhalten, aber auch zu größerer Urbanität weiterzuentwickeln und in teilweise neu strukturierten Gebieten die ortsnahe Verknüpfung von Arbeiten, Wohnen und Freizeit zu ermöglichen.
  • Die bis 1990 von zunehmendem Verfall der Bausubstanz gezeichnete Altstadt:
    • Mittels Sanierung, Neubau und Aufwertungsmaßnahmen sowie durch die Festsetzung von zwei förmlichen Sanierungsgebieten wurde der Altstadt das Gesicht einer historisch gewachsenen Stadt wiedergegeben. Mit Neuordnungskonzeptionen und der Förderung des individuellen Wohnens in der Altstadt sollen weitere Zuwächse für die Urbanität verwirklicht werden.
  • Ortsteile mit Dorfcharakter, die stark mit der sorbischen Tradition verbunden sind: Die Erhaltung der Ortskerne und das harmonische Nebeneinander von alter und ergänzender Neubebauung hat hier Priorität.
  • Für den Erfolg des Stadtumbaus ist es wichtig, alle betroffenen Akteure einzubinden. Dabei zeigte sich, dass Bürger den Bevölkerungsrückgang und den Stadtumbauprozess nur in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld wahrnehmen. Eine Sensibilisierung für den Gesamtprozess ist schwierig. Es wird daher ein „Bürgerzentrum zum Stadtumbau" eingerichtet.

Meilensteine:

  • 1999: Verabschiedung des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes 2030 durch den Stadtrat
  • 2003: Beschluss zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEK) – Teilbereich Wohnen: beinhaltet sowohl städtebauliche als auch wohnungswirtschaftliche Aspekte
  • 2006: Flächennutzungsplan
  • 2008: INSEK-Fortschreibung 2008
  • 2008: SEKo zu Stadtumbaugebieten (Neustadt, Altstadt, Knappenrode)
  • 2009: Freiraumkonzept
  • 2011: Machbarkeitsstudie Hoyerswerda 2050
  • 2012: Leitbild Stadt Hoyerswerda 2025
  • 2013: SEKo zum Stadtumbaugebiet Hoyerswerda 2012

Erfolge

  • Weite Teile der Neustadt und der Altstadt sind bereits modernisiert.
  • Bis heute umfasst der Rückbau ca. 9.000 Wohnungen. Durch die gezielten Maßnahmen des Stadtumbaus entwickelt sich eine kompakte, lebenswerte und abwechslungsreiche Stadt.

Kontakt

Stefan Skora

Oberbürgermeister
Stadt Hoyerswerda
S.-G.-Frentzel-Str. 1
02977 Hoyerswerda
Telefon: 03571 - 45 61 00

Annette Krzok

Fachgruppenleiterin Stadtentwicklung
Stadt Hoyerswerda
S.-G.-Frentzel-Str. 1
02977 Hoyerswerda
Telefon: 03571 - 45 65 40

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Hoyerswerda Sachsen

Demographietyp

Stark schrumpfende Kommunen mit Anpassungsdruck

Bevölkerung 2014

33.825

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-31,2

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