Flensburg - Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei der Neu- und Umgestaltung von Spielplätzen

Die ganzheitliche Planung und Umsetzung von Kinderspielplätzen, Bolzplätzen, naturnahen Spielflächen, Jugendaktivitätsflächen und dem öffentlichen Raum steht im Mittelpunkt des in Flensburg entwickelten Verfahrens für die Planungsbeteiligung von Kindern und Jugendlichen beim Neu- oder Umbau von solchen Plätzen. Umgesetzt wurde das Projekt mit dem „Standard-Ruck-Zuck-Verfahren".

Ausgangslage

  • Nach dem Inkrafttreten des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG) sowie des Jugendförderungsgesetzes und dem damit verbundenen Anspruch, Kinder und Jugendliche an sie betreffenden Entscheidungen teilhaben zu lassen, wurden in Schleswig-Holstein viele Projekte initiiert.
  • Die ganzheitliche Planung und Umsetzung von Kinderspielplätzen, Bolzplätzen, naturnahen Spielflächen, Jugendaktivitätsflächen und dem öffentlichen Raum steht im Mittelpunkt des in Flensburg entwickelten Verfahrens für die Planungsbeteiligung von Kindern und Jugendlichen beim Neu- oder Umbau von solchen Plätzen.

Ziele

  • Kinder sollen in sie betreffende Entscheidung einbezogen werden (Förderung von Partizipation) und deshalb an der Gestaltung von Spielplätzen mitwirken.

Umsetzung

  • Das „Standard-Ruck-Zuck-Verfahren" umfasst die folgenden sechs Teilschritte, die hier modellartig beschrieben sind, um das Grundanliegen eines solchen Planungs- und Beteiligungsprozesses anschaulich zu machen:
  • Februar/März: Vorbereitende Gespräche werden mit den Investoren, dem Landschaftsarchitekten und den Vertretern des Tiefbauamtes geführt.
  • April: Alle Anwohner werden auf die Fläche des Spielplatzes eingeladen. Das Spielmobilteam stellt sich vor, erläutert anhand von Plänen das Projekt und fragt in erster Linie die Erwachsenen nach ihren Vorstellungen für den neuen Spielplatz.
  • Am nächsten Tag sind nur die Kinder eingeladen. Ziel des Tages ist es, mit den Kindern gemeinsam die Umgebung zu erkunden und die bereits vorhandenen Spielmöglichkeiten zu erforschen.
  • Der dritte Tag dient dann der konkreten Ideenfindung für den Spielplatz. Je nach Alter malen oder schreiben die Kinder ihre Wünsche für den Spielplatz auf. An diesem Tag ist ein Landschaftsarchitekt dabei. Seine Aufgabe ist es, mit Tipps und Kompetenz den Prozess so zu begleiten, dass die Kinderwünsche ernstgenommen werden ohne ins Uferlose abzudriften. Es entsteht so eine Wunschliste der Kinder, die dann per Abstimmung (jedes Kind hat je nach Menge der Wünsche und der finanziellen Ressourcen drei bis fünf Stimmen) nach Prioritäten sortiert wird.
  • Im Laufe der Zeit wurden viele verschiedene Modelle der gängigen Spielgeräte im Maßstab 1:10 gebaut. Erst nachdem die ersten vier bis sechs Plätze feststehen, werden die Modelle hervorgeholt und im Sand des neuen und umgebauten Spielplatzes maßstabsgerecht aufgebaut. Bei der Überlegung und Entscheidung, wo welches Gerät positioniert wird, berät der Landschaftsarchitekt die Kinder. Mit diesen Eindrücken werden dann Pläne gezeichnet und Angebote von Spielgeräteherstellern eingeholt.
  • Mai/Juni: Die Pläne werden allen Anwohnern und Kindern auf dem Spielplatz an einem Nachmittag präsentiert. „Ist er das?" „Können mit dem Entwurf alle leben?" werden die Fragen des Tages sein. Wenn dies dann der Fall ist, kommt es zur Auftragsvergabe und zur Umsetzung.
  • August/September: Der Spielplatz wird mit einem kleinen Fest bei Saft, Kaffee und Keksen eröffnet. Den Kindern wird ihr Spielplatz übergeben.

Erfolge

  • In den letzten Jahren sind mit dieser Methode mehrere neue Spielplätze entstanden und umgebaut worden. Das einstige Modellprojekt ist Standard und funktioniert. Die pädagogisch ausgerichtete, kommunikative Art des Jugendamtes hat die technische, gärtnerische Sichtweise des Umwelt- und Grünamtes abgelöst und somit Schwerpunkte der Spielplätze verändert. Dies hat die Spielplätze in Flensburg positiv verändert, wie aus vielen Reaktionen zu schließen ist.
  • Das „Standard-Ruck-Zuck-Verfahren" wurde 2004 mit einem 2. Preis im Rahmen des „Dieter-Tiemann-Preises für Kinderfreundlichkeit und Alltagsdemokratie" des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet.
  • Die Erfahrungen des Spielmobilteams und der anderen jeweils Beteiligten sind sehr positiv. Kinder, Eltern und Anwohner werden mit ihren Wünschen ernst genommen. Die Kinder sehen den Spielplatz als den ihren an. Beteiligung bleibt zeitlich in einem überschaubaren Rahmen, erweckt keine utopische Hoffnung und kommunales Handeln findet vor Ort und nicht im anonymen Rathaus statt.

Kontakt

Thomas Dau-Eckert

Stadt Flensburg
Süderhofenden 40
24937 Flensburg
Telefon: 0461 - 85 23 37

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Flensburg Schleswig-Holstein

Demographietyp

Wirtschaftszentren mit geringerer Wachstumsdynamik

Bevölkerung 2014

84.694

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

1,7

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